Vom exotischen Spielschloss zur Sommerresidenz

Die Schlossanlage Pillnitz ist ein außergewöhnliches Ensemble aus Architektur und Gartengestaltung, eingefügt in die Flusslandschaft vor den Weinbergen des Elbtals. Unter dem Einfluss der ostasiatischen Mode wurde im frühen 18. Jahrhundert mit dem Bau von Wasser- und Bergpalais der Grundstein für eine der wichtigsten chinoisen Architekturen Europas gelegt. Noch heute ist ihr Wandel zur Sommerresidenz der sächsischen Monarchie eindrucksvoll nachzuempfinden.

Schloss Pillnitz

Durch den Tod seines Bruders erhält Kurfürst Friedrich August, genannt der Starke, die Schlossanlage von Pillnitz. Unter seiner Repräsentationspolitik entwickelte sich Pillnitz zum "indianischen" Auftakt von 24 geplanten thematischen Lustschlössern, die einem Gesamtkonzept königlicher Zerstreuung dienen sollten. 1720 bis 1724 entstehen nach Entwürfen von Pöppelmann das Wasser- und Bergpalais. Vorbilder für diese dreiteiligen Pavillongruppen erkannte man in der Toranlage zum Palast des Kaisers von China in Peking, als auch elbseitig in den Palastbauten von Venedig, sowie auf der Gartenseite in den palladianischen Villen.

Als Torhäuser konzipiert, um die ankommenden Gäste in den Gartenteil überzuleiten, fungierten die Pavillons selbst auch als Fest- und Spielstätten. Ergänzt wurden die Pavillons durch die hölzerne Festarchitektur des Venustempels. Wichtigster Bestandteil des Spielschlosses war der in Spielflächen gegliederte Garten. 1768, mit dem Beginn der Regierungszeit von Kurfürst Friedrich August III., genannt der Gerechte, wurde Pillnitz zur Sommerresidenz erhoben. Die notwendigen Wohnungen waren vorerst in Berg- und Wasserpalais eingerichtet, bevor sie mit dem Bau der Flügelbauten zwischen 1788 und 1791 die für das Hofzeremoniell notwendigen Raumfolgen erhielten.

Unter dem Einfluss der Idee des englischen Landschaftsgartens entstanden mit dem Englischen und Chinesischen Garten bis 1790 Zeugnisse der musischen und wissenschaftlichen Interessen des Kurfürsten. Die darin befindlichen Gartenpavillons sind entsprechende Studier- und Musenkabinette. Nach dem Brand des Renaissanceschlosses am 1. Mai 1818 entstand ein Neubau, der alle Funktionsbereiche des alten Schlosses ersetzte und der Anlage einen neuen Abschluss gab. Für die umfangreiche königliche Pflanzensammlung wurden 1859 das Palmenhaus errichtet sowie das Ringrenngebäude 1879/80 zur Orangerie erweitert. In 200 Jahren hatte sich Pillnitz von einem Lustschloss zu einem Residenzschloss entwickelt, in dem auch der Wissenschaft und Kunst ein gewichtiger Platz eingeräumt war.

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